Vor unserer Weltreise stand für David fest: Er macht einen Tauchkurs. Dies stand für ihn ebenso auf seiner Wunschliste, wie für mich die Felsenstadt Petra und Macchu Picchu. Ich war mir da gelinde gesagt nicht so sicher. Oder eher: ich hatte panische Angst davor. In der Vergangenheit wollte ich nicht mal schnorcheln und erst recht nicht im offenen Meer schwimmen. Dies stellte mich vor die Frage: kann ich die Angst vor dem Tauchen überwinden beziehungsweise es versuchen, oder sollte ich in Zukunft auf dem Sonnendeck auf David warten, während dieser ohne mich die Unterwasserwelt erkundet?


Wovor habe ich überhaupt Angst?

Ist dieses Blau nicht wunderschön?

Um die Angst vor dem Tauchen überwinden zu können, musste ich erst mal rausfinden, wovor genau ich mich fürchtete. Ich denke, dies gilt für jeden, dem es genauso geht.

Zum einen ist es mit Sicherheit die Angst vor dem Ungewissen, Unplanbaren und auch die Angst vor Kontrollverlust. Der Mensch ist nun einfach nicht dazu gemacht, metertief zu tauchen oder zu fliegen. Jedenfalls nicht ohne die Hilfe moderner Technik- oder hätten wir sonst nicht Kiemen oder Flügel? Ich müsste mich also komplett auf die Technik, die mich dort unten am Leben erhält, verlassen beziehungsweise diese beherrschen. Finde ich ziemlich beängstigend!

Zum andern spielt meine Höhenangst hier auch eine große Rolle. In unserem letzten Thailandurlaub 2015 hatten wir eine Tagestour gemacht, bei welcher einige Schnorchelspots mit dabei waren. Nachdem ich mich dort endlich ins Wasser getraut habe (als alle 6-Jährigen Kinder jubelnd von Bord gesprungen waren und ich die Letzte auf dem Boot war), die Tauchmaske angelegt und wie alle meinen Kopf Richtung Meeresboden gewandt habe, ist mir schier schlecht geworden. Das Wasser war so klar, dass man den zehn Meter tiefen Meeresboden glasklar erkennen konnte. So blöd es auch klingt, mir wäre es lieber gewesen, wenn ich ihn nicht gesehen hätte. Denn ich bekam die gleiche Panik, die mir den Brustkorb zuschnürt, die ich bei steilen Abgründen bekomme. Damals habe ich mir selbst gar nicht die Chance gegeben, die Angst zu bewältigen, sondern bin schnurstracks wieder an Bord geklettert.


Versuch 2.0

Angst vor Tauchen bewältigen

Auf dem Weg zurück zum Boot

Letztendlich traf ich die Entscheidung, dem Tauchen noch eine Chance zu geben. Ich war mir zwar nicht sicher, ob ich es bis zum Tauchgang im tieferen Wasser schaffen würde oder gar die Angst vorm Tauchen ganz überwinden könnte, aber trotzdem wollte ich es zumindest versuchen. So hoch wie die Angst vorm Tauchen war, hatte ich auch die Befürchtung, dass ich es bereuen würde, wenn David auf tollen Tauchgängen so viel ohne mich erlebt.

Die Wahl der richtigen Tauchschule

Um tauchen zu dürfen, muss man natürlich erstmal einen Tauchschein bei einer Tauchschule machen. Bei der Wahl der Tauchschule stellte ich an diese folgende Anforderungen:

  • mein Wohlbefinden vor Ort und der erste Eindruck
  • vertrauenswürdiger Tauchlehrer
  • gutes Equipment
  • kleine Gruppen
  • Respektieren meiner Angst durch den Tauchlehrer

Die Tauchschule, die wir daraufhin ausgewählt hatten, war Scuba Shack auf Koh Tao. Mit dieser Wahl waren wir vollkommen zufrieden!

Erst die Theorie…

Angst vor Tauchen bewältigen

Erste Einblicke in die Unterwasserwelt

Tipp: Wer in Erwägung ziehen sollte, einen Tauchkurs zu machen, sollte sich auf jeden Fall eine Unterwasserkamera zulegen! Wir hatten uns zuvor aus Kostengründen keine gekauft- und es bereut! Denn wie wir nun festgestellt haben, muss es nicht immer GoPro sein! Wir sind auf eine günstigere Alternative von DBPower* gestoßen, die nun ungeduldig auf ihren ersten Einsatz wartet!

Wir haben hier leider feststellen müssen: Wer günstig kauft, kauft zweimal. Die DBPower hat uns leider absolut nicht zufrieden gestellt. Also doch etwas tiefer in die Tasche greifen und für eine qualitativ hochwertigere Lösung* investieren!

Vor dem ersten Tauchgang saßen wir erstmal einen Nachmittag lang „in der Schule“, um die Grundlagen des Tauchens zu lernen. Das war ganz nach meinem Geschmack, nämlich erst mal theoretisch an die Sache ranzugehen. Wie funktioniert die Ausrüstung, was ist im Notfall zu tun und so weiter. Das nahm mir ein wenig die Angst vor dem ersten Tauchgang. Und Glück hatte ich auch noch: wegen des schlechten Wetters sollte die erste Nassübung am nächsten Tag im Pool und nicht im Meer stattfinden. Darauf hatte ich heimlich gehofft- denn es würde mir schon schwer genug fallen, und die „sichere“ Nähe zum Poolrand würde mir sicher helfen.

…dann die Praxis

Als wir am nächsten Tag die Ausrüstung anlegten, war ich sehr verunsichert durch das Gewicht. Aber logisch: wir wollen ja lernen zu tauchen, nicht zu schwimmen. Das heißt, wir brauchen ein gewisses zusätzliches Gewicht, um überhaupt abtauchen zu können. Die erste Übung bestand darin, rückwärts in den Pool zu rollen. „Geht’s noch?“ dachte ich trotzig. Das ging mir gegen jede Vernunft. Umso erstaunter war ich, als ich nach minutenlangem mit-mir-Ringen endlich im Wasser war und die ersten Atemzüge unter Wasser nahm. Wahnsinn, das funktioniert ja wirklich!

Bald kam eine Übung, vor der ich ziemliche Angst hatte: Ohne Brille nur durch den Atemregler zu atmen. Wie soll das gehen? Ohne die Maske atme ich doch sicher wieder automatisch durch die Nase. Ich war schon darauf vorbereitet, direkt eine Ladung Poolwasser einzuatmen- aber siehe da, mein Körper wusste ziemlich gut, was zu tun ist: wie von selbst atmete ich weiter durch den Mund. Vor lauter Überraschung und Freude schluckte ich zwar dann trotzdem eine Handvoll Wasser, aber ich hatte erneut an Vertrauen zu der ganzen Ausrüstung und meinen natürlichen Instinkten gewonnen.


Jetzt wird es ernst

Angst vor dem Tauchen bewältigen

Erste Übungen unter Wasser

Nach den ersten Übungen im Pool ging es am nächsten Tag mit dem Boot raus aufs Meer. Zuerst mussten wir ein paar Runden ohne Ausrüstung ums Boot schwimmen, um zu zeigen, dass wir wirklich schwimmen können. Dieser Sprung war für mich der schwerste. Das Wasser war dunkelblau und ziemlich unruhig. Die altbekannte Panik begann wieder aufzusteigen. Stop! Nicht weiter darüber nachdenken- und plötzlich war ich im Wasser. Dort fing ich direkt mit dem Rundenschwimmen an, krampfhaft nicht an die Tiefe denkend, die sich unter mir befand. Nach drei Runden durften wir wieder aufs Boot und in die Taucherausrüstung steigen: der erste richtige Tauchgang stand kurz bevor!

Nach dem ersten Sprung ins Wasser war der zweite nur noch halb so schlimm (es kostete mich trotzdem ein paar Minütchen). Die Höhenangst hatte überhaupt keine Chance, denn man startet in „stehender Position“ und schaut geradeaus zu seiner Tauchgruppe, während man abtaucht.  Und schon waren wir fünf Meter tiefer und machten am Boden die ersten Übungen. Maske aus, Luftquellen wechseln, Maske entwässern, Notsituation simulieren etc., wie im Pool am Tag zuvor. Mit jeder Übung fühlte ich mich sicherer. Aufgrund unserer kleinen Gruppe waren die Übungen schnell abgeschlossen und wir konnten noch etwas die Umgebung erkunden. Wie wunderschön die Welt unter Wasser aussehen kann! Und so habe ich tatsächlich den Kurs durchgezogen und bin ziemlich stolz darauf!


Mein Vorgehen bei Panik

Angst vor dem Tauchen bewältigen

Alles voller Fische!

Manchmal kommen Situationen auf, in denen man sich nicht wohl fühlt, verunsichert ist oder sogar etwas Panik aufsteigt und man am liebsten direkt zu Wasseroberfläche flüchten möchte. Dies war bei mir zum Beispiel der Fall, als ich mit einer Tauchmaske nicht zurecht kam und mir diese ständig voller Wasser lief oder als ich den ersten Hai entdeckte (beziehungsweise das Zeichen des Divemasters sah, der auf den Hai aufmerksam machen wollte). Dabei hilft mir folgendes:

  1. Innehalten. Langsam und bewusst weiter atmen.
  2. Dem Buddy (David) ein Zeichen geben, dass ich kurz einen Moment brauche.
  3. Mir bewusst machen, dass ich die Situation bewältigen kann.
  4. Tauchgang wieder genießen!

Und schon macht das Tauchen wieder Spaß! Die Maske kann ich ohne Probleme zu jeder Zeit entwässern. Und als ich den Hai dann in Natura erblickte, war ich eher fasziniert als verängstigt. Er nahm nämlich Reißaus, sobald er uns wahrnahm- und schwamm elegant in die entgegengesetzte Richtung.


Angst vor dem Tauchen überwinden – Check!

Angst vor dem Tauchen bewältigen erster Tauchgang

Unmittelbar nach dem ersten Tauchgang- das Gesicht spricht Bände

Ich habe immer noch vor jedem Tauchgang kurz einen kleinen Panikschub- aber der ist verflogen, sobald ich mich im Wasser befinde, auf den Rest der Gruppe wartend- und es kaum erwarten kann, abzutauchen.

Jeder, der sich nicht sicher ist, ob er die Angst vor dem Tauchen überwinden kann: versuch es einfach! Man traut sich oft viel zu wenig zu und verpasst möglicherweise tolle Erlebnisse. Und wenn es nicht funktioniert ist es auch nicht schlimm, dann hat man es wenigstens versucht!


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