Trekking in Nepal


Poon Hill Trek ohne Porter

Als wir uns entschieden, nach Nepal zu fahren, war uns klar, dass wir auch einen Trek laufen werden. Da wir hier noch keine Erfahrungen hatten, wollten wir maximal fünf Tage unterwegs sein. Somit fiel die Wahl schnell auf den Poon Hill Trek. Dieser führt über unzählige (um die 17.000 um genau zu sein) Stufen zum Gipfel des Poon Hills, von welchem aus man die umliegenden Siebentausender der Annapurnas sehen kann. Hörte sich gut an!
Unsicher waren wir uns jedoch, ob wir den Poon Hill Trek ohne Porter und Guide gehen sollten…


Vorbereitungen

Porter & Guide

Vor Ort empfahl uns jeder, mindestens einen Porter (Gepäckträger) mitzunehmen. Dank unserer Abenteuerlust und dem mangelnden Budget haben wir uns jedoch direkt gegen einen Porter entschieden. Diese Entscheidung haben wir zwar das ein oder andere Mal bereut, aber im Grunde haben wir den Poon Hill Trek ohne Porter geschafft.

Über einen Guide dachten wir etwas länger nach, kamen jedoch zu dem Entschluss, dass der Weg ausreichend touristisch erschlossen ist, um ihn alleine laufen zu können. Im Nachhinein die richtige Entscheidung!


Permit & TIMS

Um in Nepal zu trekken, benötigt man zwei Dokumente: Permit und TIMS.

Das Permit ist quasi die Erlaubnis bzw. Eintrittskarte für die jeweilige Region, in unserem Fall die Annapurna Conservation Area.

Das TIMS (Trekker’s Information Management System) ist eine Art Sicherheitssystem, in dem alle Wanderer erfasst werden. Beim Betreten und Verlassen des Wanderweges wird man registriert. Somit kann immer festgestellt werden, wer sich auf dem Weg aufhält und ob z.B. jemand vermisst gemeldet werden muss.

Beide Dokumente holten wir uns am ersten Tag in Pokhara ab. Theoretisch hätten wir drei Passbilder gebraucht, doch vor Ort gab es dann doch welche umsonst.

Poon Hill Trek Fishtail

Tag 3: Aussichtspunkt vor Ghorepani mit Sicht auf den Fishtail


Route

Auch bei der Route liefen wir gegen den Strom. Da wir beide keine begeisterten Rudelläufer sind, sind wir den Weg gegen den Uhrzeiger gelaufen. Man sagte uns zwar, dass diese Richtung anstrengender wäre, aber wir konnten uns nicht mit dem Gedanken anfreunden, morgens immer mit einer gesamten Reisegruppe loszulaufen oder bei Anstiegen im Stau zu stehen. Auch diese Entscheidung war für uns die richtige!


Gepäck

Wir hatten unsere zwei Osprey Farpoint 40* dabei. Auch wenn es keine reinen Wanderrucksäcke sind, haben sie auf dem Trek gut funktioniert. Für einen längeren Trek würden wir allerdings andere Rucksäcke nehmen, die eher aufs Wandern ausgelegt sind. Wir hatten insgesamt ca. 17 kg dabei, verteilt auf die zwei Rucksäcke.


Poon Hill Trek

Tag 1

Nayapul – Birethanti – Chimrong – Kimche – Ghandruk

Weg 12 km, 1045 Höhenmeter

Poon Hill Trek Kimche

Tag 1: Aufstieg nach Kimche

Morgens ging es mit dem Jeep zwei Stunden lang von Pokhara nach Nayapul, von wo wir die ersten Kilometer bis nach Birethanti liefen. Es ging entspannt durch den Ort hindurch und an etlichen Verkaufsständen. In Birethanti wurden unsere TIMS und Permits registriert und danach konnte es endlich losgehen!

Poon Hill Trek Ghandruk

Tag 1: Wegweiser nach Ghandruk

Der erste Abschnitt der Strecke ging entlang einer staubigen Straße, auf welcher wir immer wieder von Jeeps überholt wurden. Hier merkten wir zum ersten Mal, dass wir mit unserem Gepäck kämpfen mussten, denn es ging stetig bergauf. Gleichzeitig zweifelten wir unsere Entscheidung an, den Poon Hill Trek ohne Porter zu laufen. Nach 4 km erreichten wir Syauli Bhatti, von wo aus ein reiner Wanderweg weiterführte. Eigentlich war es eher ein Treppenweg, der uns bald an unsere Grenzen brachte. Gegen 16 Uhr erreichten wir müde und erschöpft Ghandruk, wo wir in der Dorfmitte gleich das erste Guesthouse ansteuerten. Auch die lärmende japanische Reisegruppe störte uns nicht weiter, wir waren einfach nur froh, die Rucksäcke abzustellen und die Wanderschuhe in die Ecke zu werfen.

Poon Hill Trek Ghandruk Tadapani

Tag 1: Aussicht in Ghandruk

 


Tag 2

Ghandruk – Tadapani – Ban Thanti

Weg  8,4 km, 694 Höhenmeter

Poon Hill Trek Dschungel Tadapani

Tag 2: Dschungel vor Tadapani

Der zweite Tag begann, wie der erste endete: mit Treppen. Die Strapazen des Vortages machten sich direkt wieder bemerkbar und auch meine Erkältung wurde immer schlimmer. Nicht nur einmal dachte ich daran, umzukehren. Doch dank Davids Motivationskünsten und da er mir einen Großteil des Gepäcks abnahm, lief ich weiter. Nach ca. 1,5 Stunden erreichten wir einen Waldweg. Ab dort ging es auf einem „nepali flat“ Weg weiter, sprich der Weg verlief eben und wurde alle 100 Meter von einer kurzen Treppe oder einem Hügel unterbrochen. Hier lief es sich bei weitem angenehmer, auch dank der kühlen Waldluft.

Poon Hill Trek Fishtail Tadapani

Tag 2: Aufstieg nach Tadapani

Nach 6 km erreichten wir Tadapani, den höchsten Ort des Tages. Bis dorthin kamen uns nur vereinzelte Wanderer entgegen. In Tadapani angekommen, trafen wir einige Wanderer, die den Weg in andere Richtung liefen und dort übernachten. Auch wir hatten uns den Ort als Übernachtung markiert, doch da wir noch recht früh waren, machten wir uns nach einem schnellen Mittagssnack wieder auf den Weg.

Von Tadapani ging es steil bergab- es graute uns während des gesamten Abstieges, da wir schnell erkannten, dass es auf der anderen Seite genauso steil wieder bergauf ging. Für 2,2 km benötigten wir deshalb nochmal geschlagene 1,5 Stunden.

Poon Hill Trek Ban Thanti

Tag 2: Ban Thanti

In Ban Tahiti angekommen, waren wir die einzigen Gäste des Ortes. Hier waren wir auch zum ersten mal froh, uns Schlafsäcke dabei zu haben, denn es wurde nach Sonnenuntergang richtig kalt.


Tag 3

Ban Thanti – Deurali – Ghandruk

Weg 6 km, 564 Höhenmeter

Poon Hill Trek Ban Thanti

Tag 3: Aufstieg von Ban Thanti nach Deurali

Von unserem heutigen Ziel trennten uns nur 6 km. Deshalb starteten wir den Tag recht entspannt, auch wenn es wieder zahlreiche Treppen bis nach Deurali nach oben ging. Doch der Weg lief sich gut, immer entlang eines Baches durch den nepalesischen Dschungel.

Poon Hill Trek Deurali

Tag 3: Aussicht kurz vor Deurali

Kurz vor Ghandruk erreichten wir einen Aussichtspunkt, mit wunderbarer Sicht auf die Annapurnas und den Fishtail. Nachdem eine koreanische Reisegruppe mit endlosen Selfie-Shootings fertig war,  konnten wir die Aussicht genießen.

Poon Hill Trek Ghorepani

Tag 3: Aussichtspunkt kurz vor Ghorepani

Ab hier ging es nur noch bergab bis nach Ghandruk, wo wir in einem der höher gelegenen Hotels einkehrten- in weiser Voraussicht, dass wir dann am nächsten Morgen weniger Stufen zum Poon Hill steigen müssen! Hier hatten wir zum ersten Mal Strom auf dem Trek, sodass die Solar-Powerbank mal pausieren konnte.


Tag 4

Ghorepani- Poon Hill – Ghorepani – Ulleri – Tikhe Dhunga – Hille

Weg 9,6 km, 1343 Höhenmeter

Poon Hill Trek Sonnenaufgang

Tag 4: Sonnenaufgang vom Poon Hill aus

Morgens um 5 Uhr ging es los Richtung Gipfel, ausgerüstet mit Stirnlampe und sämtlichen Kleidungsstücken, die wir dabeihatten. Anfangs zog sich eine regelrechte Kolonne den Berg hinauf, jedoch lichtete sich das Feld bald, denn die Stufen, die eiskalte Höhenluft und die frühe Uhrzeit forderten bei vielen ihren Tribut. Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir den Poon Hill, das Ziel des Treks! Wahnsinn, dass wir es wirklich geschafft haben! Es war ein tolles Gefühl, dort oben zu stehen und zuzusehen, wie langsam die Sonne über dem Gebirge aufging. Die Anstrengung hat sich gelohnt!

Gipfel Poon Hill

Tag 4: Auf dem Gipfel des Poon Hill

Doch sollte dies nicht die einzige Anstrengung des Tages bleiben. Noch freuten wir uns auf den restlichen Tag, denn es sollte nur noch bergab gehen. Sämtliche Höhenmeter, die wir die letzten Tage gut gemacht hatten, sollten wir nun wieder heruntersteigen. Klingt nicht so schwer- war aber tatsächlich die Hölle. Vier Stunden benötigten wir für den Abstieg bis nach Hille. Anfangs verlief der Weg malerisch im Dschungel entlang eines Flusses, doch nach der Hälfte des Weges begannen die Stufen steiler und steiler zu werden. Die letzten 300 Höhenmeter wurden zur reinsten Qual und ich war froh, über die Wanderstöcke, die ich mir ausgeliehen hatte.

In Hille angekommen nahmen wir ein völlig überteuertes Taxi zurück nach Pokhara, was uns in diesem Moment aber völlig egal war. Hauptsache geschafft!

Poon Hill Trek Ulleri

Tag 4: Abstieg von Ulleri nach Hille


Fazit

Mit der Wahl der Route haben wir alles richtig gemacht! Auf unserem Weg kamen uns nur in den Ballungsräumen Wanderer entgegen, wir waren auf unserer Route jedoch immer alleine unterwegs. Das Gepäck sollten wir jedoch optimieren. Fast 10 kg pro Person waren einfach zu viel! Geschuldet war das Gewicht zwar dem Insulin, welches wir nicht in Pokhara lassen wollten, aber trotzdem ist hier Optimierungsbedarf vorhanden. Trotz allem kamen wir zu der Erkenntnis, dass es machbar ist, den Poon Hill Trek ohne Porter zu laufen.

Und mit Erkältung würde ich auch nicht nochmal auf so eine Tour losziehen, denn ohne David wäre ich ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Aber trotzdem Hammer, dass wir das geschafft und durchgezogen haben!


Kosten

3 Übernachtungen inkl. Mahlzeiten 62€

Water Refills 4€

Permit + TIMS 64€

Taxi nach Nayapul 19€

Taxi nach Pokhara 43€

Gebühr Poon Hill 1€

Proviant 10 €

Gesamtkosten 2 Personen: 203 €


Hier geht es zu unserem Bericht über unsere Reise durch Nepal!

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1 Kommentar

  1. Dank eurem Bericht, habe ich mich einmal mehr mit Nepal, leider nur im Netz,
    Beschäftigt. Fazit: ein Land, dass man auf einer Weltreise nicht auslassen sollte.

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